Ensinger Bauerntheater 2006

Das Ensinger Bauerntheater dürfte ja mittlerweile jedem ein Begriff sein. Seit über 30 Jahren bricht die Gruppe unter Regie von Erwin Rudloff alle Rekorde. Sogar bis ins Fernsehprogramm haben Sie es schon gebracht. In diesem Jahr brilliert das Ensemble mit der „Genialen Erfindung“, einem Stück in 3 Akten von Bernd Gombold. Für all diejenigen, die mal wieder keine Karten ergattern konnten, hier eine Zusammenfassung des Showabends.

In die richtige Theaterstimmung wurde das Publikum in der wie immer rappelvollen Forchenwaldstube von der Schwobaseckel Blues Band (Jürgen Elser, Norbert Hartmann, Martin Heidingsfelder, Torsten Schmid) gebracht. Mit bewährtem Repertoire, in bester a-capella Manier, wurde der König der Löwen persifliert, das Bett im Kornfeld bekam sein „Fett“ weg, mit einem Hohelied auf die kulinarischen Köstlichkeiten des Schwabenlandes wurde das Publikum begeistert und erste Beifallsstürme brandeten durch den Saal.

Nach kurzer Verschnaufpause fiel der Vorhang, die Geduld der wartenden Menge hatte sich restlos bezahlt gemacht. Einmal mehr begeisterte das Ensemble um Regisseur Erwin Rudloff, wieder einmal waren es vor allem die Publikumslieblinge Marita Elser, Eckhard Wahl und Werner Schmid, die dem Dreiakter ihren Stempel aufdrückten. Sehr gut waren auch Ralph Kraft als polnischer Schwarzarbeiter Kasimir und Kerstin Wahl als Briefträgerin Paula. In weiteren Rollen Spielten Elke Wahl, Simone Lenz, Gudrun Dürr, Dietmar Bildmann und Oliver Volkmer.

Zum Inhalt des Stückes: Der gutmütige Manfred Müller (Eckhard Wahl) und seine Frau Monika (Marita Elser) betreiben eine kleine Autoreparaturwerkstatt. Doch das Wasser steht ihnen bis zum Hals. Man schreibt tiefrote Zahlen, die Bank droht den Geldhahn zuzudrehen, die Behörden jagen den Schwarzarbeiter und die Gemeinde kündigt an, ausstehende Forderungen einzutreiben. Kein Wunder, dass die Müllers am Verzweifeln sind, da fallen so Kleinigkeiten wie ein zum Warenlager umfunktioniertes Wohnzimmer schon gar nicht mehr so ins Gewicht. Der radebrechende Kasimir, stets auf dem Kriegsfuss mit der deutschen Sprache und der Bürokratie, hilft mit seinen meist illegalen Tipps auch nicht unbedingt weiter. Um dem ganzen die Krone aufzusetzen, duldet man auch noch den Mieter Mathias (Werner Schmid) im Haus, der sich selbst als genialen Erfinder bezeichnet, keine Miete zahlt und wie die Made im Speck lebt ( wann ischs Essa ferdich?), dessen „Erfindungen“ jedoch gelinde gesagt wenig Erfolg versprechend sind. Die Misere spitzt sich immer weiter zu. Der blasierte, windige Finanzjongleur Dr. Profitlich (Dietmar Bildmann) macht zwielichte Vorschläge, um sich selbst an der Notlage der Müllers zu bereichern. Kasimir versucht seinerseits kurzerhand den Benz des Bankdirektors zu klauen und streut Nägel auf der Strasse vor der Werkstatt, um ein bisschen Geld in die klamme Kasse des Kleinbetriebes zu bekommen. Zu allem Überfluss streunt auch noch ständig der knöchrige, alle gängigen Klischees bedienende Finanzamtsbeamte Haargenau (Oliver Volkmer) unangemeldet durch die Werkstatt, auf der Suche nach dem schwarzarbeitenden Kasimir. Allerhand zu tun für Monika, die resolute, etwas burschikose Herrin im Hause, die geschickt die Fäden zieht. Es scheint kein Ausweg in Sicht – bis eines Tages der Brief vom Patentamt ins Haus flattert. Eine Verwechslung nach der anderen bringt nun plötzlich die Wende. Bank und Gemeinde überschlagen sich nun vor Höflichkeit, da ja anscheinend Milliarden ins Haus stehen und der gesamten Automobilindustrie eine Weltrevolution bevorsteht. Da heißt es schnell seine Schäfchen ins Trockene zu bringen. Genau dies macht sich nun Monika zu Nutze und mit einer gehörigen Portion Bauernschläue wendet sie alles drohende Ungemach von dem Betrieb ihres Mannes ab.

Dreieinhalb Stunden dauerte es, bis der Vorhang fiel. Doch bei keinem der Zuschauer kam Langeweile auf. Ein Gag jagte den anderen, zahlreiche Show- und Pyrotechnikeffekte ließen es mitunter richtig krachen und wem dies alles nicht genügte, der war spätestens bei der Mimik von Marita Elser den Tränen nahe. Kurzum: ein gelungener Bauerntheaterabend.

Text: Frank Elsässer/Philipp Maisel; Fotos: Maisel

Weitere Informationen rund um das Ensinger Bauerntheater finden Sie unter der neuen Homepage www.Ensinger-bauerntheater.de